24/7

Kurzmitteilung

Sind wir doch mal ehrlich: Fußball bietet einfach nicht genug Stoff für eine 365- bzw. 24/7-Berichterstattung, ohne in Boulevard zu driften.

Mein Ja zur Gehaltsobergrenze im Fußball

Gehaltsobergrenzen sind (im Geiste des Kapitalismus) natürlich per se quasi blasphemisch. Woran soll sich denn ein Mensch orientieren? Woraus seine Motivation ziehen? Woraus seine Reputation? – Wenn nicht aus „Mein Haus, mein Auto, mein Spitzengehalt“!

Ja, da bin ich blasphemisch, denn ich bin ein Verfechter der Idee des Salary Cap – und das sogar in einer starren Regelung (ohne Kopplung an Umsatzzahlen). Denn ich glaube den Verheißungen des Kapitalismus einfach nicht (mehr). Ich finde es nämlich überhaupt nicht zwingend leistungsfördernd, wenn man die Aussicht hat die 1 Mio. noch mehr zu verdienen, wo andere Menschen diese Summe mit normaler Arbeit nicht einmal in ihrem ganzen Leben verdienen werden. Warum sollte einer mit – sagen wir – 2-3 Mio. per annum als Top-Einkünfte daraus nicht ausreichend Motivation ziehen? Ja vielleicht wäre es längst an der Zeit diesen Irrsinn zu beenden, der uns vorgaukelt, Geld allein sei glückseligmachend. Vielleicht würde dann, wenn man im Bereich Geld keine Entwicklung mehr zu erwarten hat, eben wieder andere Werte in den Vordergrund rücken – vielleicht der reine sportliche Erfolg, die persönliche sportliche Entwicklung, soziale Motive oder vielleicht auch Werte wie Identifikation? Glaubt man denn wirklich, dass ein Spieler dann die Branche wechseln würde weil er als Anlageberater etwas mehr verdienen könnte? Glaubt man, dass es als Anreiz (den Fußball als Beruf zu wählen) nicht ausreiche, wenn man als Fußballer die Summe x, was ja immer noch fernab von Gut und Böse wäre und das Lebenseinkommen eines Durchschnittsbürgers bereits in einem Jahr erreicht, erlangen kann?

Unlimited Gehälter sind kein Anreiz! Sie zerstören den Sport und entziehen ihm Qualität statt Qualität zu fördern. Spieler, die statt in der Blüte ihrer Jahre auf dem Platz zu stehen, tristen ihre beste Zeit auf Bänken und Tribünen, entwickeln sich mangelns Wettkampfpraxis nicht weiter, können keinen Fan erfreuen. Ein Nuri Sahin begeisterte Dortmund, in Madrid begeistert er keinen, weil keiner ihn spielen sehen kann.

Wie Dieter Hecking in einem Interview bei Clubfans United zutreffend sagte, als er sich zwar gegen Salary Cap positionierte, aber die zu hohe Entlohung des Mittelmaßes anprangerte, darf man diese Last nicht den Spielern aufbürden und sagen: ‚Ist doch deine Entscheidung, dann verzichte doch auf Gehalt und kicke beim Club statt in München!‘ Denn wer Würde so eine Entscheidung in der heutigen Gesellschaft wirklich fair beurteilen? Die Gesellschaft honoriert das doch nicht mal, man wird als Looser abgestempelt, einer der es nicht schaffte, eben einer, dem es an Ehrgeiz mangele.

Wir haben uns Paradigmen gebaut, von denen wir dachten, dass sie uns pushen, uns nach vorne treiben. Erfolg unlimited als Perpetuum mobile für immerwährende Steigerung. Und keiner will die Augen aufmachen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Was Ansporn sein sollte, wurde zum Selbstzweck. Einer sagte neulich mal: ‚Du brauchst doch nur einen (sic!) Profi-Vertrag mal zu schaffen, einmal deinen Friedrich Wilhelm bei einem Profi-Club und wenn du dann nicht Sportinvalide wirst, kriegste doch in 90% der Fälle immer wieder wo einen Folgevertrag, weil einer hofft/meint/glaubt, dass du ausgerechnet bei seinem Verein aufblühst und er mit dir das Schnäppchen macht.‘ Da ist viel Wahres dran.

In zu vielen Bereichen des Fußballs ist die Kommerzialisierung längst zum Selbstzweck geworden und es geht nicht mehr um Sport sondern um das Event und die maximale wirtschaftliche Erschließung. Da wird dann eben schon mal dramaturgisch die weinende Frau im TV eingeblendet, auch wenn es Archivaufnahmen sind. Man kann diese Entwicklung nicht mehr stoppen, man kann dem Irrsinn aber Grenzen setzen, bevor wir endgültig nur noch einem Kasperltheater beiwohnen. Financial Fairplay (FFP) ist ein Ansatz, wenn es denn je konsequent angewandt wird, Gehaltsobergrenzen wären ein weiterer.

(Entstanden aus einem Kommentar)