Fußball ist kein schöner Sport

90 Minuten Fußball ist langweilig. Darum schauen viele lieber die Zusammenfassung der Tore oder verfolgen die Konferenz.

Gegenfrage: Welcher Sport ist denn “schön anzuschauen”? Wenn sich beim Eishockey dick eingepackte Kraftpakete an die Wand knallen und um ein schwarzes Ding kämpfen, das man mit bloßen Auge oft nicht mal verfolgen kann? Basketball? Wenn 2-Meter-Menschen in trotzdem noch zu großen T-Shirts hin und herlaufen um einen orangenen Ball in ein Körbchen zu werfen? Skispringen? Reiten? Tennis? plopp – plopp – plopp – plopp – ahhhhh.

Da ist Fußball ja fast noch unterhaltsam gegenüber so manchem anderen Wettbewerben. Es sei denn man begeistert sich bspw. für Menschen die sich im Kreis wie verrückt drehen um dann eine Scheibe oder eine Kugel an einer Kette möglichst weit weg zu werfen.

Man versuchte aus Fußball nur einfach mehr zu machen als da ist. Angefangen hat das so richtig bei RAN im Jahr 1986, wo man im Folgenden versuchte aus dem sonst üblichen (drögen) Sportschau-Format eine Show zu machen. Und je mehr man dafür an Lizenzen auf den Tisch legte, desto mehr musste aus dem ganzen auch gemacht werden. Jeden Spieltag ein “Top-Spiel”, alles unter 200km Distant ein Derby, keine Fehlentscheidung ohne eine Diskussionsrunde unter “Experten”.

Fußball hat sich nicht so sehr verändert, jedenfalls nicht im Sinne des Unterhaltungswertes. Und trotzdem sehe ich es gerne an. Weil es spannend ist, weil man nie genau weiß, was passiert. Und ich schau mir auch gern E- und D-Jugend-Spiele an – aber auch da brauch ich eine emotionale Beteiligung (in dem Fall mein Sohn), und auch in dem Fall brauche ich ein gewisses Maß an Wissen, damit mir das Spiel Spaß macht zuzusehen. Dann wird es nämlich auch zu einer Art Schach, wenn du weißt was Trainer A und B vorhaben, wie sie ihre Systeme variieren um Finten zu parieren. Und das ganze dann noch mit “lebenden” Figuren, die Fehler machen, die mal etwas überraschendes auspacken.

Nein. Fußball ist überhaupt nicht langweilig und “schön” ist einfach der falsche Begriff. Es ist ein Sport, das scheinen einfach viele zu vergessen. Sport ist nicht darauf ausgelegt zu unterhalten, sondern sich zu messen – und dieses sich messen kann unterhaltsam sein, muss es aber nicht, weil es per se nicht sein Ziel ist. Will man was anderes, kann man sich bei den Erfahrungen mit Wrestling bedienen.

Leider obsiegt bei mir bisweilen die emotionale Befangenheit allerdings dann zu sehr, so dass ich eher die Faszination des Sports aus den Augen verliere und nur noch wie ein Kaninchen vor dem Bildschirm harre. Aber gelangweilt habe ich mich bei einem Spiel meines Herzensverein eigentlich wirklich noch nie.

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